• Flüchtlinge kehren in Bussen aus der türkisch-kurdischen GrenzstadtSuruç
    (kurdisch Pirsûs) ins befreite Kobanê (arabisch Ain al-Arab) zurück, Newroz-Fest am 21. März 2015.

  • Nach den Kämpfen im Stadtzentrum von Kobanê. Die innerstädtische
    Bebauung wurde durch anhaltende Häuserkämpfe und Luftangriffe
    zu etwa 80 Prozent zerstört.

  • Brotverteilung im yezidischen Flüchtlinglager Camp Newroz
    in Dêrik (arabisch al Malikiya). medico verteilte hier Nahrungsmittel
    an die Flüchtlinge, die vor dem sog. „Islamischen Staat“ (IS) aus dem Sindschar-Gebirge (kurdisch Şingal) geflohen waren.

  • Der syrisch-kurdische Gesundheitsdienst Heyva Sor a Kurdistanê
    (Kurdischer Roter Halbmond) betreibt in Kobanê mit medico-Unterstützung ein Gesundheitszentrum.

  • Tausende Flüchtlinge aus Kobanê campieren im türkisch-kurdischen
    Suruç, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt.

  • Immer wieder erfahren Flüchtlinge in Suruç vom Tod ihrer Freunde
    oder Angehörigen in den Kämpfen auf der syrischen Seite der Grenze.

  • Eine yezidische Flüchtlingsfamilie erreicht das sichere Newroz-Camp
    in Dêrik.

  • Auf der Grenze treffen sich die Flüchtlinge in Suruç, warten auf tägliche
    Neuigkeiten aus dem umkämpften Kobanê.

  • Das yezidische Camp Newroz wurde weitgehend von Freiwilligen aus
    der Region und der lokalen Stadtverwaltung von Dêrik betrieben.
    Internationale Hilfsorganisationen hatten durch die restriktive Grenzpolitik
    der Türkei kaum Möglichkeiten zur Hilfe.

  • Im Camp Newroz bieten lokale Lehrerinnen yezidischen Flüchtlingskindern
    in Großzelten Schulunterricht an.

  • Das erste kurdische Frühlingsfest Newroz im freien Kobanê, März 2015.

  • Rückkehrer erreichen den Stadtrand von Kobanê.

  • Opfer einer Nacht. An der Front vor Tall Abyad (kurdisch Girê Spî)
    beschoss der IS vorrückende kurdische YPG-Volksverteidigungseinheiten
    (kurdisch Yekîneyên Parastina Gel).

  • Friedhof in Kobanê. Ein arabischer Kämpfer der Burkān al-Furāt-
    Miliz trauert um den Tod eines Mitkämpfers. Die Miliz der Freien
    Syrischen Armee (FSA) nahm an der Verteidigung von Kobanê teil.

  • Mit dem Sarg auf der Ladefläche. Während einer Fahrt zum Friedhof
    trauern YPG-Kämpfer um einen Toten.

  • Ehrenfriedhof bei Dêrik. Das Grab einer gestorbenen Kämpferin der
    kurdischen YPJ-Frauenverteidigungseinheiten (kurdisch Yekîneyên
    Parastina Jin).

  • Das zerstörte Kobanê nach dem Ende der Kämpfe.

  • Durchschuss am Arm. Ein Scharfschütze der YPG wird im Notkrankenhaus
    behandelt.

  • Verletzte im Krankenhaus von Kobanê. Während der Kämpfe gegen
    den IS blieben nur vier Ärzte in der Stadt, um die zahlreichen
    Verwundeten versorgen zu können.

  • Das alte Krankenhaus südwestlich von Kobanê. Zerstört durch
    Minen des IS.

  • Viele Kinder haben Asthma oder Erkältungskrankheiten nach dem
    Winter in den Zelten. Sprechstunde beim medico-Partner Heyva Sor
    a Kurdistanê in Kobanê.

  • Hygieneartikel und Zusatznahrung für Kinder bei Heyva Sor Kurdistanê
    in der Stadt Dêrik (arabisch al-Malikiya), im Kanton Cizîrê.

  • Notfallversorgung im Kellerkrankenhaus von Kobanê. Bei Stromausfall
    leuchten Mobiltelefone und kleine Taschenlampen.

  • Medizinische Sprechstunde für die Dorfbevölkerung beim medico-
    Partner Heyva Sor Kurdistanê in Kobanê.

  • Der 1. Weihnachtstag 2014 in der assyrischen Gemeinde
    in Dêrik. Die christliche Bevölkerung der Region fühlt sich durch die
    Kämpfe mit der Terrormiliz des IS besonders bedroht.

  • Die christliche aramäisch-assyrische Sutoro-Miliz beschützt die
    christlichen Gemeinden in der Region Dêrik und Tirbespî (arabisch
    Al-Qahtaniya).

  • Vom IS überfallene Kirche in Serê Kaniyê (arabisch Raʾs al-ʾAin), Cizîrê.

  • Sutoro-Miliz im Umland von Dêrik.

  • Alltag an der östlichen Front von Kobanê, kurz vor Tall Abyad
    (kurdisch Girê Spî). Die Grenzstadt wurde im Juni 2015 von kurdischarabischen
    Einheiten vom IS befreit. Damit konnte die eingeschlossene
    Enklave Kobanê an den östlichen kurdischen Nachbarkanton
    Cizîrê angeschlossen werden. Zugleich verlor der IS die wichtigste
    Nachschubroute aus der Türkei in seine syrische Hauptstadt
    Ar-Raqqa.

  • Die Straße Richtung Mosul bei Serê Kaniyê. Am Horizont
    beginnt das Gebiet des IS.

  • Einsatzbesprechung einer YPG-Einheit in den Hügeln am Euphrat.

  • Aufklärung an der Euphrat-Front, südwestlich von Kobanê.

  • Blick über den Fluss. Am anderen Ufer begann im Frühjahr 2015
    das Herrschaftsgebiet des IS. Der Euphrat (kurdisch Firat) ist der
    größte Strom Vorderasiens.

  • Die Newroz-Feier in Suruç.

  • Ehrengeleit der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten (Yekîneyên
    Parastina Jin, YPJ) am Tigris für einen irakischen Kurden, der in den
    Reihen der YPG kämpfte.

  • Kämpfer der kurdischen YPG am Euphrat.

  • Die erste wiedereröffnete Schule in Kobanê nach dem Krieg.

  • Kind am Feuer in Ruine in Kobanê. Nur noch die Bilder hängen an der
    übergebliebenen Wand des Wohnzimmers.

  • Viele ziehen in ihre zerstörten Häuser zurück. Kobanê, März 2015.

  • Rückkehr nach Kobanê.

back to rojava

Der kurdische Traum in Syrien Jeder Ort, jeder Augenblick hat seine Besonderheit. Die Kurd_innen sind die größte nichtarabische Minderheit Syriens. Sie nennen den von ihnen bewohnten Teil des Landes Rojavayê Kurdistan, «Westkurdistan», oder einfach: Rojava, «Westen». Seine 2,5 Millionen Bewohner_innen treten jetzt aus dem Schatten ihrer Leidensgeschichte heraus. Ihre gemeinsame Erinnerung ist das Syrien eines schier ewigen Baath-Regimes, das sie gewaltsam verfolgte, ihnen die eigene Sprache verbat und die Bürgerrechte vorenthielt. Heute erproben die syrischen Kurd_innen das Experiment einer direkten kommunalen Demokratie und damit auch die Möglichkeit von Konfliktlösungen jenseits der alten, von Überwachen und Strafen geprägten Kultur der Gewalt. Ihre politischen Institutionen legen großen Wert auf die Beteiligung der Frauen nicht nur in der Verwaltung, sondern auch in den politischen Entscheidungsgremien und Bildungseinrichtungen. Ein neues Gesundheitswesen wird aufgebaut, eine eigene Polizei entsteht. In den Schulen lernen die Kinder Arabisch und Kurdisch: ein absoluter Tabubruch mit den Jahrzehnten unter dem Assad-Regime. die Ausstellung "Back to rojava" medico international + attenzione photographers Wenn Sie die Ausstellung auch in Ihrer Stadt zeigen möchten, wenden Sie sich bitte an medico international. info@medico.de oder www.medico.de

Ein Experiment, das von vielen Seiten bedroht ist (Text aus Ausstellungflyer) medico international Die Region der demokratischen Selbstverwaltung ist reich. Denn in Rojava gibt es fruchtbares Ackerland und ergiebige Ölquellen, aber auch eine einzigartige kulturelle und religiöse Vielfalt. Zu den Kurd_innen und ihren Nachbarn arabisch-muslimischer, yezidischer, assyrischer, orthodoxchristlicher und tscherkessischer Herkunft gehören heute auch Armenier_ innen, die dem Völkermord durch das Osmanische Reich entkommen konnten. Die kurdische Autonomie ist arm. Denn Rojava ist schon lange auch eine Schutzzone für zahlreiche Flüchtlinge. Bis jetzt haben sich weit mehr als eine Million Menschen dorthin retten können – zuletzt die von den Morden und Verschleppungen des „Islamischen Staats“ (IS) bedrohten Yezid_innen aus den Shingal-Bergen im Nordirak und syrische Araber_innen auf der Flucht vor den todbringenden Fassbomben des Regimes. Bedroht wird die Region von einem mehrfachen Embargo. An der langen Grenze blockiert die Regionalmacht Türkei die dringend benötigte Nothilfe für das syrische Kurdistan. Auch die irakisch-kurdische Regionalregierung unter ihrem Präsidenten Masud Barzani behindert noch immer den freien Waren- und Personenverkehr ins syrische Rojava, ein Hinweis auf eine weiterhin bestehende unzureichende gesamtkurdische Interessenpolitik. Innerhalb Syriens legen der IS und weitere Milizen aus dem Al-Qaida-Netzwerk immer wieder Belagerungsringe um die kurdischen Siedlungsgebiete. Die islamistischen Eiferer verzeihen den Kurd_innen weder ihr Experiment einer demokratischen Selbstverwaltung noch die proklamierte und oft auch gelebte Gleichberechtigung der Frauen. Kobanê – Symbol des Widerstands und Aufbruchs Rojava steht noch immer oder wieder am Anfang. Krankenhäuser wurden zerstört und dringend notwendige Medikamente fehlen. Einst überkommene Infektionskrankheiten brechen erneut aus, chronisch Kranke wie Diabetiker_ innen, Nierenkranke und Krebspatient_innen können nicht mehr versorgt werden. Hinzu kommt die permanente politische Unsicherheit. Denn immer noch werden furchtbare Anschläge veru?bt, wie etwa im Juni 2015, als in Kobanê ein IS-Killerkommando 240 Menschen, fast ausschließlich Zivilist_innen, ermordete. Wer mit Mitgliedern von Bürgerkomitees, Ärzt_innen, lokalen Journalist_ innen und anderen Vertreter_innen der kurdischen Selbstverwaltung spricht, erkennt sehr schnell, dass es trotz aller notwendigen materiellen und humanitären Hilfe vor allem auch um die politische Vision der Selbstbestimmung inmitten der syrischen Kriegsgräuel geht. Besonders deutlich wird dies in der Stadt Kobanê im kleinsten der drei kurdischen Kantone in Rojava. Die kurdischen Kämpfer_innen von Kobanê hatten seit dem Herbst 2014 die monatelangen Angriffe des IS abgewehrt. Doch fu?r ihren zum weltweiten Symbol gewordenen Widerstand zahlten sie einen hohen Preis: Die Stadt wurde zu 80 Prozent zerstört, nahezu alle Häuser, Straßen, Schulen und Krankenhäuser stark beschädigt. Um mit dem Wiederaufbau beginnen zu können, braucht Kobanê eine offene Grenze zur Türkei. Es geht um mehr als humanitäre Hilfe Von Beginn an haben wir, die Initiator_innen dieser Ausstellung, uns entschieden, das kurdische Demokratieexperiment in Syrien solidarisch zu begleiten. Dabei ist es ausdrücklich nicht unser Anliegen, einer kurdischen Sezession das Wort zu reden, obgleich die Kurd_innen das historische Recht hätten, die ihnen von den fru?heren Kolonialmächten und den darauf folgenden autoritären arabischen Entwicklungsstaatsmodellen verweigerte Unabhängigkeit zu ergreifen. Wir stellen uns an die Seite von Kobanê, weil sich dort die Möglichkeit eines demokratischen Gemeinwesens jenseits von radikalreligiöser Gewalt und nationalistisch-korruptem Autoritarismus abzeichnet: Einem Gemeinwesen, das neue und inklusivere Formen der Demokratie erprobt; ein Demokratiemodell, das beginnt, von den existierenden Minderheiten und ihren Differenzen her zu denken – jenseits der Herrschaft einer Mehrheit und jenseits der europäischen postkolonialen Nationalstaatsmodelle. All dies findet unter den besonderen Bedingungen des Krieges statt, dessen Logik immer auch autoritäre Strukturen und Formierungen beinhaltet. Die Geschichte hat bewiesen, dass sich jede wirkliche Demokratie immer auch aus der Möglichkeit ihrer selbst begründet, aus ihrer besonderen Differenz und Andersartigkeit zu der Gewalt, der sie entgegentritt. Die Kurd_innen Syriens, jahrzehntelang die Ausgeschlossenen unter den Ausgeschlossenen, haben jetzt ihr Recht auf eine eigene Stimme, auf kulturelle Sichtbarkeit und auf eine selbstbestimmte politische Existenz erobert. Sie haben aufgehört, die Opfer eines repressiven arabischen Zentralismus zu sein, sie fordern Gerechtigkeit und handeln im Vorgriff auf ein föderales und freies Gemeinwesen aller Syrer_innen. Dies soll, so sagen sie es selbst, ein Gemeinwesen sein, das auch den Reichtum des ethnischen und religiösen Kosmos des Landes schützen und allen zugänglich machen möchte. Das demokratische Experiment in Rojava hat der kulturellen und demokratiepolitischen Vielfalt in Syrien neues Leben verliehen. Dafür gebührt ihm Respekt, daran wird es aber auch heute und zukünftig zu messen sein. Mehr denn je braucht Syrien Frieden und Demokratie. Spätestens jetzt, nachdem die Syrer_innen, nicht wenige auch aus Kobanê, das Scheitern der westlichen Nahostpolitik mit nach Europa gebracht haben. Denn nicht wir Europäer_innen erleben eine Flüchtlingskrise, sondern diejenigen, die zu uns kommen, sind in einer existenziellen Krise. Diese Menschen bringen die Frage ihrer Zukunft mit nach Europa. Sie zeigen uns unwiderruflich, dass es für sie keine Lösung ohne die Anerkennung ihrer Freiheitsrechte auch in Syrien geben kann. Sie sagen uns, dass der Versuch, die syrische Katastrophe lediglich zu verwalten, gescheitert ist. Auch deshalb braucht Kurdistan in Syrien heute unsere Anerkennung und Solidarität.

Mark Mühlhaus